Storytelling im Kursprogramm: Wie wir Beispiele erzählen üben
Im zweiten Teil zum Modul Storytelling zeigt Sabine Lührs, wie Erlebnisse und Beispiele in den Live-Sitzungen aufgebaut, erzählt und mit persönlichem Feedback verbessert werden.
Sabine Lührs · · 5 Minuten Lesezeit
Was das Modul Storytelling in diesen Wochen leistet
Im Herbst melden sich erfahrungsgemäß viele Berufstätige und Studierende, die in den kommenden Monaten Präsentationen, Gespräche oder Bewerbungen vor sich haben. Das Modul Storytelling richtet sich genau an sie. Es geht nicht darum, ausgeschmückte Geschichten zu erfinden, sondern eigene Erlebnisse und konkrete Beispiele so zu erzählen, dass Ihre Botschaft im Gedächtnis bleibt.
Ich unterrichte dieses Modul als Journalistin und Texterin. Mein Blick gilt deshalb zuerst dem Inhalt: Was wollen Sie sagen, und welches Beispiel trägt diese Aussage? Erst danach sprechen wir über Wortwahl, Tempo und Betonung. Wer weiß, wohin seine Erzählung führt, wirkt am Mikrofon, im Besprechungsraum oder vor einer kleinen Runde sofort ruhiger.
Dieser Beitrag beschreibt, wie die Sitzungen zu diesem Modul praktisch ablaufen, was Sie vorbereiten können und woran Sie Fortschritte erkennen. Er ersetzt keine Sitzung, soll aber einen realistischen Eindruck geben.
Aus einem Erlebnis wird ein Beispiel
Der Ausgangspunkt jeder Übung ist ein Erlebnis aus Ihrem Alltag: eine schwierige Abstimmung im Team, ein Praktikum, eine Situation im Studium, ein Projekt, das anders lief als geplant. Viele Teilnehmende winken zunächst ab, weil sie ihre Erfahrungen für unspektakulär halten. Das ist ein häufiger Irrtum, denn gerade alltägliche Situationen wirken glaubwürdig.
In der Sitzung suchen wir gemeinsam nach dem Kern. Wir fragen, was in der Situation auf dem Spiel stand, was Sie getan haben und was daraus folgt. Aus diesen drei Antworten entsteht ein kurzes Gerüst, das sich in einer Minute erzählen lässt. Alles, was die Aussage nicht stützt, streichen wir.
Dieses Streichen fällt anfangs schwer, weil jedes Detail wichtig erscheint. Mit etwas Übung merken Sie jedoch selbst, welche Angabe Ihr Publikum braucht und welche nur Ihnen vertraut ist.
- Situation in zwei Sätzen umreißen
- Die eigene Entscheidung benennen
- Die Folge oder Erkenntnis klar formulieren
Erzählen mit klarem Anfang, Kern und Schluss
Eine gut erzählte Geschichte folgt einer einfachen Ordnung. Der Anfang sagt, wo wir sind und wer beteiligt ist. Der Kern zeigt die Wendung, also den Moment, in dem etwas anders wird als erwartet. Der Schluss verbindet das Erlebte mit dem, was Ihre Zuhörer mitnehmen sollen. Diese Ordnung kennen Sie aus dem Modul zum Aufbau einer Rede, hier wenden wir sie im Kleinen an.
Ich bitte die Teilnehmenden, ihre Erzählung zunächst nur in Stichworten festzuhalten und nicht auszuformulieren. Wer Wort für Wort abliest, klingt schnell steif. Stichworte lassen Raum für einen natürlichen Ton und für kleine Pausen, in denen Ihre Zuhörer das Gesagte aufnehmen können.
Anschließend erzählen Sie die Geschichte laut, zunächst dem Kursraum, später in einer kürzeren Fassung. Schon beim zweiten Durchgang fällt den meisten auf, wie viel klarer die Erzählung wird, wenn sie sich auf das Wesentliche beschränkt.
Konkrete Bilder statt allgemeiner Behauptungen
Ein Satz wie „Ich bin teamfähig“ bleibt selten haften. Ein kurzes Beispiel, in dem Sie zwei Kollegen mit gegensätzlichen Meinungen an einen Tisch gebracht haben, tut es eher. Das Modul trainiert deshalb den Wechsel von der Behauptung zum Bild: Ort, Person, Handlung, kleines Detail.
Dabei achten wir auf Maß. Ein einziges treffendes Detail genügt, etwa die Uhrzeit einer Besprechung oder ein Satz, der wörtlich gefallen ist. Mehr wirkt schnell überladen. Auch zeigen wir, wie Sie Beispiele aus dem Beruf so wählen, dass keine vertraulichen Angaben preisgegeben werden und niemand bloßgestellt wird.
Respekt gegenüber den Beteiligten gehört zu den Grundsätzen des Programms. Eine Geschichte, die andere abwertet, überzeugt am Ende weniger als eine, in der Sie selbst etwas gelernt haben.
- Behauptung durch ein Beispiel ersetzen
- Ein einziges treffendes Detail wählen
- Vertrauliches und Abwertendes weglassen
Feedback, das Sie weiterbringt
Nach jeder Erzählung erhalten Sie persönliches Feedback, zuerst zu dem, was gut funktioniert hat. Das ist keine Höflichkeitsformel: Wer weiß, welche Stärke er bereits mitbringt, kann sie gezielt ausbauen. Danach benennen wir ein bis zwei Punkte, an denen Sie in der nächsten Runde arbeiten.
Die übrigen Teilnehmenden geben ebenfalls Rückmeldung, angeleitet durch einfache Fragen: Was ist hängen geblieben? Wo wurde es unklar? Diese Eindrücke sind oft aufschlussreicher als jede Theorie, weil sie zeigen, wie Ihre Erzählung tatsächlich ankommt.
Realistisch betrachtet entsteht Sicherheit nicht in einer Sitzung. Aber schon nach einigen Wiederholungen merken die meisten, dass sie ihre Beispiele ruhiger und gezielter vortragen. Das ist ein erreichbares Ergebnis, kein Versprechen für jede Situation.
Was Sie mitbringen sollten
Für das Modul brauchen Sie keine Vorkenntnisse. Hilfreich ist, wenn Sie sich vorab zwei oder drei Situationen notieren, an die Sie sich gern erinnern, und eine, die Ihnen unangenehm in Erinnerung ist. Gerade aus Letzterer entstehen oft die überzeugendsten Beispiele, weil sie Entwicklung zeigen.
Außerdem lohnt es sich, ein Thema im Kopf zu haben, bei dem Sie demnächst überzeugen möchten, etwa ein Gespräch mit Vorgesetzten, ein Referat oder eine Vorstellungsrunde. Dann können wir Ihre Beispiele gleich darauf zuschneiden.
Alles Weitere ergibt sich in den Live-Sitzungen. Sie müssen nichts auswendig lernen und nichts perfekt vorbereiten. Entscheidend ist die Bereitschaft, laut zu erzählen und Rückmeldung anzunehmen.
- Zwei bis drei Erlebnisse in Stichworten notieren
- Ein konkretes Anliegen für die nächsten Wochen wählen
Storytelling bedeutet im Kern, das Wesentliche eines Erlebnisses zu finden und es ruhig, konkret und respektvoll zu erzählen. Das lässt sich üben, Schritt für Schritt und mit Rückmeldung. Wenn Sie in diesen Herbstwochen Ihre Beispiele sortieren möchten, bietet das Modul dafür einen geschützten Rahmen, in dem Sie ausprobieren dürfen, was bei Ihrem Publikum ankommt.
Sabine Lührs
Dozentin für StorytellingJournalistin und Texterin, die zeigt, wie sich Inhalte klar und lebendig erzählen lassen.