Mit Videoanalyse zur ruhigen Körpersprache: unser Arbeitsmaterial
Welche Werkzeuge wir im Modul Körpersprache einsetzen: Kamera, Beobachtungsbogen und Wiederholung. Ein Blick auf Methoden, mit denen Haltung, Gestik und Blickkontakt greifbar werden.
Markus Eichholz · · 5 Minuten Lesezeit
Warum wir mit der Kamera arbeiten
Wer über Körpersprache spricht, bleibt schnell im Allgemeinen. Deshalb steht im Modul bei uns eine einfache Kamera auf einem Stativ. Sie nimmt Ihre Übungen auf, ohne zu bewerten, und zeigt Ihnen, was Sie selbst nicht sehen können: wie Sie stehen, wenn Sie nervös werden, wohin Ihre Hände wandern, wie lange Ihr Blick tatsächlich beim Gegenüber bleibt.
Viele Teilnehmende sind überrascht, wie sehr ihr Selbstbild von der Aufnahme abweicht. Meist ist der Eindruck besser, als befürchtet, und die auffälligen Gewohnheiten sind kleiner, als das Gefühl im Moment vermuten ließ. Genau dieser Abgleich ist der Kern der Methode. Er ersetzt das Rätselraten durch Beobachtung und macht Veränderung überhaupt erst gezielt möglich.
Die Aufnahmen bleiben in der Gruppe nur sichtbar, wenn Sie das möchten. Die erste Sichtung findet immer zuerst für Sie allein oder gemeinsam mit mir statt, in Ruhe und ohne Zeitdruck.
Der Beobachtungsbogen als zweites Werkzeug
Neben der Kamera arbeiten wir mit einem schlichten Beobachtungsbogen. Er teilt das Thema in wenige Felder: Stand und Haltung, Gestik, Blickkontakt, Bewegung im Raum. Zu jedem Feld notieren Sie nach dem Ansehen Ihrer Aufnahme, was Ihnen auffällt, und zwar zuerst, was bereits gut trägt, und erst danach, was Sie ändern möchten.
Diese Reihenfolge ist Absicht. Wer nur Fehler sucht, verspannt sich bei der nächsten Übung noch mehr. Wer dagegen sieht, dass der aufrechte Stand schon überzeugend wirkt, kann darauf aufbauen. Der Bogen bleibt bei Ihnen, er ist Ihr persönliches Protokoll über die gesamte Dauer des Moduls und zeigt am Ende, wie sich Ihr Auftreten Schritt für Schritt verschoben hat.
Ich ergänze Ihre Notizen in den Sitzungen mit meiner Sicht, aber nie, ohne Ihre eigene zuerst gehört zu haben.
Haltung üben: kleine, wiederholbare Übungen
Haltung lässt sich nicht einmal erklären und dann abhaken. Wir üben sie in kurzen Einheiten, die Sie auch zu Hause wiederholen können. Dazu gehört der bewusste Stand mit gleichmäßig verteiltem Gewicht, das Lösen der Schultern und das ruhige Atmen in den Bauchraum, bevor Sie das erste Wort sagen.
Wichtig ist, dass Sie keine Pose einstudieren. Eine starre Idealhaltung wirkt auf der Aufnahme sofort künstlich. Wir suchen stattdessen eine Grundstellung, in der Sie sich wohlfühlen und die trotzdem offen wirkt. Dafür probieren Sie mehrere Varianten, sehen sie auf dem Video und entscheiden gemeinsam mit mir, welche zu Ihnen passt.
Gerade bei Berufstätigen, die viel am Schreibtisch sitzen, lohnt es, den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen mitzuüben, denn dort entstehen im Alltag die meisten Spannungen.
- Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilen
- Schultern lösen, Nacken lang lassen
- Vor dem ersten Satz einmal ruhig ausatmen
Gestik und Blickkontakt gezielt einsetzen
Bei der Gestik hilft zunächst ein einfacher Gedanke: Hände dürfen sichtbar sein. Viele verstecken sie in Taschen oder verschränken sie, weil sie nicht wissen, wohin damit. Wir üben eine ruhige Ausgangsposition auf Taillenhöhe, von der aus Gesten natürlich entstehen und zu der die Hände danach zurückkehren.
Beim Blickkontakt arbeiten wir mit kleinen Gedankenblöcken. Sie sprechen einen Satz oder Gedanken zu einer Person im Raum, wechseln dann zur nächsten. So entsteht Verbindung statt hektischen Umherblickens. In der Videoanalyse zählen wir gemeinsam, wie lange der Blick tatsächlich gehalten wird, und die Zahl überrascht fast alle.
Im Gespräch zu zweit gilt eine ähnliche Regel, nur sanfter: Der Blick darf zwischendurch wandern, solange er immer wieder ruhig zurückkehrt.
So läuft eine Feedbackrunde ab
Nach jeder Übung folgt eine kurze Feedbackrunde in drei Schritten. Zuerst sehen Sie Ihre Aufnahme und schildern, was Sie wahrnehmen. Dann nennen die Mitteilnehmenden, was bei ihnen angekommen ist, bezogen auf die Wirkung, nicht auf Ihre Person. Zuletzt gebe ich eine konkrete Anregung für die nächste Wiederholung.
Wir halten die Rückmeldungen bewusst klein. Eine einzige Veränderung pro Durchgang ist besser als fünf gleichzeitig, weil Sie sie wirklich umsetzen können. Das klingt langsam, führt aber zu Fortschritten, die auch Wochen später noch sichtbar sind. Wer am Ende des Moduls seine erste und seine letzte Aufnahme nebeneinander sieht, erkennt den Weg meist selbst.
Ein respektvoller Ton gehört dazu: Wir beschreiben, was zu sehen ist, und überlassen die Deutung dem, der gefilmt wurde.
Was Sie danach allein weiterführen können
Das Modul endet nicht mit der letzten Sitzung, denn die Werkzeuge lassen sich mitnehmen. Ein Smartphone auf einem Regal genügt, um sich vor einem wichtigen Termin kurz aufzunehmen. Der Beobachtungsbogen lässt sich auf wenige Fragen verkürzen, die Sie vor dem Spiegel oder auf der Aufnahme durchgehen.
Wir empfehlen, Aufnahmen nicht zu häufig anzusehen. Alle paar Wochen reicht, um Fortschritte zu erkennen, ohne in Selbstkritik zu verfallen. Wichtiger ist die Gewohnheit: ein bewusster Stand, ein ruhiger Atemzug, ein gehaltener Blick. Daraus entsteht mit der Zeit ein Auftreten, das sich nicht mehr einstudiert anfühlt, sondern selbstverständlich.
Realistisch ist dabei ein stetiger Zuwachs an Sicherheit, kein plötzlicher Umbruch. Genau diese Beständigkeit macht den Unterschied.
Die Kamera ersetzt kein Gespräch, aber sie macht es genauer. Zusammen mit dem Beobachtungsbogen und kurzen, wiederholbaren Übungen wird Körpersprache zu etwas, das Sie sehen, benennen und Schritt für Schritt verändern können. Wenn Sie sich in diesen Wochen fragen, wie Sie wirken, ist die eigene Aufnahme meist der ehrlichste und zugleich freundlichste Anfang.
Markus Eichholz
Dozent für Auftreten und EtiketteBegleitet seit vielen Jahren Fach- und Führungskräfte bei Vorstellungsgesprächen und Präsentationen.