netluxa.org
← Magazin Stimme und Diktion

Fünf typische Fehler beim Sprechen und wie Sie sie vermeiden

Zu schnell, zu flach geatmet, Endungen verschluckt: Dr. Katharina Brandt beschreibt fünf häufige Stolpersteine bei Stimme und Diktion und zeigt, womit Sie im Alltag gegensteuern.

Dr. Katharina Brandt · · 5 Minuten Lesezeit

Fünf typische Fehler beim Sprechen und wie Sie sie vermeiden

Fehler 1: Zu schnell sprechen

Wer nervös ist, beschleunigt. Das Tempo steigt fast unbemerkt, die Sätze laufen ineinander, und Zuhörende kommen nicht mehr mit. In meinen Sitzungen höre ich das jede Woche: Inhalt und Haltung stimmen, doch die Botschaft geht im Tempo unter. Ein ruhigeres Sprechen wirkt dagegen sicher und überlegt.

Hilfreich ist, Pausen bewusst als Teil des Textes zu planen. Nach jedem Gedanken folgt ein kurzer Halt, in dem Sie einatmen. Anfangs fühlt sich das zu lang an, für das Publikum ist es genau richtig. Nehmen Sie sich im Herbst, wenn viele Präsentationen und Jahresgespräche anstehen, eine Minute eines Vortrags auf und hören Sie sie ohne Bild an.

Üben Sie außerdem mit einem Text, den Sie gut kennen, und sprechen Sie ihn einmal absichtlich langsamer, als es Ihnen natürlich erscheint. Die meisten finden danach ihr gewohntes Tempo selbst angenehmer und deutlich kontrollierter. Das Ziel ist kein Zeitlupen-Sprechen, sondern ein Tempo, das mit dem Inhalt wechselt.

Schwierige Gedanken verdienen mehr Zeit, Nebensächliches darf zügiger folgen. So entsteht Betonung ganz ohne Theatralik.

  • Nach jedem Gedanken kurz einatmen
  • Eine Minute aufnehmen und ohne Bild anhören
  • Tempo dem Inhalt anpassen

Fehler 2: Nur flach in die Brust atmen

Viele atmen unter Anspannung nur oben im Brustkorb. Die Stimme wird dünn, der Atem reicht nicht bis zum Satzende, und am Ende hört man ein Absinken oder Keuchen. Das hat nichts mit mangelndem Talent zu tun, sondern mit Gewohnheit und Aufregung.

Die Gegenübung ist einfach: Legen Sie eine Hand seitlich an den unteren Rippenbogen und atmen Sie so ein, dass sich dieser Bereich weitet. Beim Ausatmen sprechen Sie einen Satz auf einem Atem. Wiederholen Sie das mit längeren Sätzen, ohne zu pressen.

Ein häufiger Nebenfehler ist, vor dem Sprechen hörbar Luft zu holen und dann zu drücken. Besser ist ein stiller, kurzer Atemzug durch die Nase, sobald eine Pause entsteht. Wer so atmet, hat auch im Gespräch mit Rückfragen genug Reserve und klingt gelassener.

Planen Sie diese Übung fest ein, etwa morgens vor dem Spiegel oder auf dem Weg zur Arbeit. Zwei Minuten täglich bringen mehr als eine lange Einheit pro Woche.

Fehler 3: Endungen und Silben verschlucken

Gerade im Deutschen gehen Endsilben schnell verloren: aus gesprochen wird gesprochn, aus und dann wird und dann ohne Konturen. Das klingt nachlässig, auch wenn Sie es nicht so meinen. Die Verständlichkeit leidet vor allem dann, wenn der Raum groß ist oder eine Videoschalte die Tonqualität mindert.

Üben Sie mit kurzen Sprechübungen, bei denen jede Silbe sauber beginnt und endet. Sprechen Sie dazu bewusst deutlicher, als Sie es im Alltag täten, und übertreiben Sie zunächst. Die Lippen und die Zunge sind Muskeln, die sich aufwärmen lassen. Schon eine Minute Lockerung vor einem Termin verändert die Klarheit hörbar.

Ein Korken zwischen den Schneidezähnen ist ein bewährtes Hilfsmittel: Sie sprechen einen Satz damit und anschließend ohne. Der Unterschied überrascht fast alle. Wichtig ist, dass die Deutlichkeit nicht in Steifheit kippt. Gute Diktion bleibt natürlich im Klang und folgt dem Sinn des Satzes.

  • Lippen und Zunge vor dem Termin lockern
  • Mit kurzen Sprechübungen Silbenenden trainieren
  • Anfangs übertreiben, dann zurücknehmen

Fehler 4: Eine gleichbleibende Tonlage

Monotonie ermüdet Zuhörende schneller als jedes Fachvokabular. Die Stimme bleibt auf einer Höhe, nichts hebt sich ab, und wichtige Aussagen gehen im Fluss unter. Oft steckt Vorsicht dahinter: Wer sich nicht festlegen will, bleibt klanglich neutral.

Arbeiten Sie mit Betonungen auf Schlüsselwörtern. Markieren Sie in Ihrem Manuskript pro Absatz zwei oder drei Wörter, die Sie heben, und lassen Sie am Satzende die Stimme ruhig sinken, wenn eine Aussage abgeschlossen ist. Ein steigender Ton am Schluss wirkt dagegen wie eine Frage und nimmt Aussagen die Sicherheit.

Hilfreich ist auch, Texte einmal laut für eine fiktive Person im Nebenraum zu lesen. Die Stimme wird dadurch von selbst lebendiger und trägt weiter. Prüfen Sie am Ende, ob der Klang zum Inhalt passt: Ernstes darf ruhiger, Einladendes wärmer klingen.

Fehler 5: Die eigene Stimme nie anhören

Die meisten Teilnehmenden haben ihre Stimme noch nie bewusst aufgenommen. Beim ersten Anhören ist die Überraschung groß, denn von innen klingt sie anders. Wer dieses Unbehagen meidet, bleibt bei Annahmen stehen und verändert wenig.

Nehmen Sie in dieser Jahreszeit, in der Besprechungen und Vorträge wieder dichter werden, einmal pro Woche einen kurzen Abschnitt auf. Hören Sie ihn mit klarer Frage an: Wo ist das Tempo gestiegen, wo fehlen Pausen, welche Wörter sind undeutlich? Schreiben Sie nur zwei Punkte auf und üben Sie genau diese.

Mit der Zeit gewöhnen Sie sich an den Klang und entdecken Fortschritte, die im Alltag unbemerkt bleiben. Im Kurs ergänzt persönliches Feedback diese Selbstbeobachtung, denn ein geübtes Ohr hört Muster, die man selbst nicht wahrnimmt. Wichtig bleibt ein freundlicher Blick auf sich selbst.

  • Wöchentlich eine kurze Aufnahme machen
  • Nur zwei Punkte pro Durchgang notieren
  • Fortschritte über Wochen vergleichen

Stimme und Diktion verändern sich nicht durch Einzelheiten, sondern durch kleine, regelmäßige Übungen. Wer Tempo, Atmung, Silbenenden, Tonlage und Selbstbeobachtung im Blick behält, hört schon nach wenigen Wochen, wie ruhiger und klarer der eigene Vortrag wird. Beginnen Sie mit dem Fehler, der Ihnen am vertrautesten vorkam, und bleiben Sie geduldig mit sich.

Geschrieben von

Dr. Katharina Brandt

Dozentin für Sprechwirkung

Sprechwissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung im Stimm- und Redetraining für Berufstätige.

Schreiben Sie uns

netluxa.org

Kursprogramm in Wuppertal für persönliches Auftreten, soziale Sicherheit und überzeugendes Sprechen: Live-Sitzungen, Übungen und persönliches Feedback.

So erreichen Sie uns

Birkenweg 115
74564 Crailsheim, Germany
+49 152 00048376
[email protected]

Erreichbarkeit

Montag bis Freitag
9:00-17:00 Uhr
Samstag
10:00-13:00 Uhr
Sonntag
Geschlossen