Fünf Fehler beim Aufbau einer Rede und wie Sie sie vermeiden
Viele Reden verlieren ihre Zuhörer schon in den ersten Minuten, weil der Aufbau fehlt. Dieser Beitrag nennt fünf typische Fehler und zeigt, wie Sie Anfang, Kern und Schluss sauber ordnen.
Dr. Katharina Brandt · · 4 Minuten Lesezeit
Fehler 1: Ohne klares Ziel zu schreiben beginnen
Der häufigste Fehler liegt vor der ersten Zeile. Wer sich hinsetzt und einfach alles aufschreibt, was zum Thema einfällt, erhält eine Sammlung von Gedanken, aber noch keine Rede. In unseren Sitzungen fragen wir deshalb zuerst: Was soll Ihr Publikum am Ende wissen, fühlen oder tun? Erst wenn sich diese Frage in einem einzigen Satz beantworten lässt, lohnt es sich, Material zu sammeln.
Dieser Zielsatz wirkt wie ein Filter. Jede Anekdote, jede Zahl und jedes Beispiel muss sich daran messen lassen. Was ihm nicht dient, darf draußen bleiben, auch wenn es Ihnen persönlich lieb ist. Das fällt vielen anfangs schwer, spart aber Zeit und macht die Rede spürbar ruhiger.
Hilfreich ist es, den Zielsatz laut zu sprechen und dabei an eine konkrete Person aus dem Publikum zu denken. Klingt er dann verständlich und natürlich, tragen Sie ihn durch die ganze Rede.
- Formulieren Sie das Ziel in einem Satz
- Denken Sie an eine konkrete Zuhörerin oder einen Zuhörer
- Streichen Sie, was dem Ziel nicht dient
Fehler 2: Ein Einstieg, der sich entschuldigt
Viele Redner beginnen mit Sätzen wie: Ich bin leider nicht so gut im Reden, oder: Ich werde Sie nicht lange aufhalten. Gemeint ist das als Bescheidenheit, doch das Publikum hört darin vor allem Unsicherheit. Die ersten Sekunden entscheiden, ob man Ihnen zuhört, und sie sind zu wertvoll für Entschuldigungen.
Ein guter Anfang ist schlicht und trägt bereits Inhalt. Das kann eine konkrete Beobachtung sein, eine Frage, die das Publikum betrifft, oder ein Bild aus dem Berufsalltag. Danach folgt, in ein bis zwei Sätzen, worum es geht und wie lange es dauert. So wissen die Zuhörenden, woran sie sind, und Sie selbst gewinnen Halt.
Üben Sie den Einstieg besonders oft, bis Sie ihn fast auswendig, aber nicht auswendig gelernt sprechen können. Er ist der Teil, der Ihnen die Nervosität nehmen kann.
Fehler 3: Der Kern wird zur Aufzählung
Im Mittelteil geraten Reden oft in eine lange Reihung: erstens, zweitens, drittens, viertens, und noch ein Punkt. Das Publikum behält davon wenig. Unser Gedächtnis arbeitet besser mit zwei bis drei klar getrennten Gedanken, die jeweils ein Beispiel bekommen. Weniger Punkte, dafür besser ausgeführt, überzeugt fast immer mehr.
Ordnen Sie den Kern deshalb nach einer erkennbaren Logik, etwa von der Ausgangslage über die Lösung zum Nutzen, oder von der Gegenwart in die Zukunft. Kündigen Sie die Struktur kurz an und setzen Sie zwischen den Abschnitten hörbare Übergänge, zum Beispiel: Damit komme ich zum zweiten Gedanken.
Prüfen Sie beim Probelauf, ob jeder Abschnitt ohne die anderen verständlich bliebe. Wenn ja, ist er sauber gebaut. Wenn er sich nur im Zusammenhang erklärt, braucht er einen klareren Anfang.
- Höchstens drei Hauptgedanken
- Zu jedem Gedanken ein Beispiel
- Übergänge ausdrücklich sprechen
Fehler 4: Ein Schluss, der ausläuft
Ebenso häufig wie der entschuldigende Anfang ist das Ausfransen am Ende: Eigentlich wollte ich noch sagen, vielleicht noch kurz, und dann ein leises Danke. Das Publikum merkt, dass der Faden verloren ging, und nimmt als letzten Eindruck Unsicherheit mit nach Hause.
Ein tragfähiger Schluss tut zwei Dinge. Er fasst den Kerngedanken in einem Satz zusammen und sagt, was als Nächstes geschehen soll: eine Entscheidung, ein Gespräch, eine Überlegung. Wer möchte, kehrt zum Bild vom Anfang zurück und schließt so den Kreis, ohne Pathos.
Wichtig ist, den letzten Satz zu kennen und ihn ruhig zu sprechen, mit einer kleinen Pause davor. Danach bleiben Sie einen Moment stehen, atmen aus und erst dann kommt das Danke. Das wirkt gelassen und gibt Ihrer Rede Gewicht.
Fehler 5: Das Manuskript wird vorgelesen
Ein vollständig ausformulierter Text gibt Sicherheit beim Schreiben, verleitet aber zum Ablesen. Geschriebene Sätze sind länger und dichter als gesprochene; vorgetragen klingen sie steif, und der Blickkontakt zum Publikum geht verloren. Wer abliest, wirkt oft unbeteiligter, als er ist.
Besser ist ein Stichwortzettel mit den Eckpunkten: Zielsatz, Einstieg, die zwei oder drei Hauptgedanken samt Beispielstichwort und dem Schlusssatz. Alles andere formulieren Sie beim Sprechen frei. Das gelingt nach zwei, drei lauten Durchgängen überraschend gut, weil die Struktur bereits im Kopf sitzt.
Üben Sie dabei mit Uhr und, wenn möglich, einer Zuhörerin oder einem Zuhörer. In den Live-Sitzungen erhalten Sie dazu persönliches Feedback: Wo wurde der Faden dünn, welcher Übergang trug nicht, welche Stelle war zu lang.
- Nur Stichworte statt ganzer Sätze
- Laut üben, mit Uhr
- Rückmeldung von einer zweiten Person einholen
Eine gute Rede entsteht selten aus Begabung allein, sondern aus Ordnung: ein klares Ziel, ein ruhiger Einstieg, wenige gut ausgeführte Gedanken und ein Schluss, der trägt. Wer diese fünf Stolpersteine kennt, kann sie gezielt umgehen. Beginnen Sie mit Ihrer nächsten Rede ganz klein, mit dem Zielsatz, und bauen Sie von dort aus Schritt für Schritt weiter.
Dr. Katharina Brandt
Dozentin für SprechwirkungSprechwissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung im Stimm- und Redetraining für Berufstätige.