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Fragen und Nervosität im Herbst: Wie Sie Gespräche ruhig durchstehen

Die kommenden Monate bringen Jahresgespräche, Präsentationen und Rückfragen. Markus Eichholz zeigt, wie Sie Lampenfieber einordnen und Fragen mit klarem Kopf beantworten.

Markus Eichholz · · 6 Minuten Lesezeit

Fragen und Nervosität im Herbst: Wie Sie Gespräche ruhig durchstehen

Warum der Herbst Gespräche verdichtet

Mitten im Herbst füllen sich die Kalender. Jahresgespräche stehen an, Budgets werden verteidigt, Projekte vor dem Jahresende vorgestellt, und an den Hochschulen beginnt das Semester mit Referaten und mündlichen Prüfungen. Wer in dieser Zeit regelmäßig vor anderen sprechen muss, merkt oft, dass sich Anspannung ansammelt, weil ein Termin den nächsten ablöst und kaum Zeit zum Durchatmen bleibt.

In meinen Kursen sehe ich dabei ein wiederkehrendes Muster: Nicht der Vortrag selbst bereitet die größte Sorge, sondern das, was danach kommt. Die Frage aus dem Publikum, die man nicht vorhergesehen hat, und die Stille, die entsteht, wenn man nach einer Antwort sucht. Darum geht es in diesem ersten Teil unseres Themas: um Rückfragen, Pausen und den ersten Umgang mit Lampenfieber.

Ein Gedanke vorweg, der vielen die Last nimmt: Nervosität ist kein Zeichen von Unfähigkeit. Sie zeigt, dass Ihnen das Gespräch wichtig ist. Entscheidend ist, was Sie mit dieser Energie anfangen, und das lässt sich üben, Schritt für Schritt und ohne Druck.

Lampenfieber einordnen, bevor Sie es bekämpfen

Viele versuchen, ihre Aufregung zu unterdrücken, und erreichen damit das Gegenteil. Wer sich innerlich befiehlt, ruhig zu sein, beobachtet den eigenen Puls genauer und fühlt jedes Zittern doppelt. Hilfreicher ist es, die körperlichen Zeichen als Aktivierung zu verstehen: Der Körper stellt Energie bereit, die Sie für einen wachen, präsenten Auftritt nutzen können.

Beginnen Sie mit einer kurzen Bestandsaufnahme vor dem Termin. Wo spüren Sie die Anspannung, in den Schultern, im Magen, in den Händen? Benennen Sie es sachlich, ohne es zu bewerten. Danach hilft eine langsame Ausatmung, die länger dauert als die Einatmung, etwa vier Zählzeiten ein und sechs aus. Das beruhigt den Kreislauf spürbar, ohne dass jemand im Raum davon etwas bemerkt.

Wichtig ist die Regelmäßigkeit. Eine Atemübung, die Sie erst im Moment der Not ausprobieren, wirkt selten. Üben Sie sie dagegen an ruhigen Abenden oder auf dem Weg zur Arbeit, steht sie Ihnen im Gespräch wie von selbst zur Verfügung.

  • Anspannung zuerst sachlich benennen, nicht bewerten
  • Länger aus- als einatmen, mehrere Runden lang
  • Die Übung schon in ruhigen Zeiten einüben

Rückfragen: erst hören, dann antworten

Eine Rückfrage fühlt sich oft wie ein Angriff an, selbst wenn sie freundlich gemeint ist. Dabei ist sie meist ein Zeichen von Interesse. Der erste Schritt besteht darin, die Frage wirklich aufzunehmen, statt schon während des Zuhörens an die Verteidigung zu denken. Nicken Sie leicht, halten Sie Blickkontakt und lassen Sie die Fragende oder den Fragenden ausreden.

Danach hilft ein kurzes Wiederholen in eigenen Worten: Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen um die Kosten im zweiten Quartal. Das verschafft Ihnen einen Moment zum Denken, stellt sicher, dass Sie die richtige Frage beantworten, und signalisiert Respekt. Erst dann folgt die Antwort, am besten in zwei oder drei klaren Sätzen.

Liegt die Antwort nicht auf der Hand, ist ein ehrlicher Satz stärker als ein Ausweichen. Sie können sagen, dass Sie die Zahl nicht im Kopf haben und sie nachreichen. Das wirkt verlässlich, und niemand erwartet von Ihnen, dass Sie alles aus dem Stand wissen.

  • Ausreden lassen und Blickkontakt halten
  • Die Frage kurz in eigenen Worten wiederholen
  • Antwort in zwei bis drei klaren Sätzen
  • Offene Punkte ehrlich benennen und nachreichen

Gesprächspausen aushalten und nutzen

Eine Pause von drei Sekunden fühlt sich für den Sprechenden wie eine halbe Minute an. Für die Zuhörenden dagegen wirkt sie meist wie ein Moment der Überlegung und verleiht dem Gesagten Gewicht. Wer lernt, Stille auszuhalten, spricht automatisch ruhiger und füllt den Raum nicht mehr mit Füllwörtern wie also, ähm oder sozusagen.

Eine einfache Übung: Lesen Sie einen kurzen Text laut und setzen Sie nach jedem Satz bewusst eine Pause von zwei Atemzügen. Nehmen Sie sich dabei auf, wenn möglich mit dem Telefon. Beim Anhören werden Sie feststellen, dass die Pausen viel kürzer klingen, als Sie sie empfunden haben, und dass Ihr Vortrag dadurch an Klarheit gewinnt.

Auch nach einer schwierigen Frage dürfen Sie schweigen. Ein Satz wie Einen Moment, ich überlege kurz, ist völlig in Ordnung. Er zeigt Sorgfalt, und die Gesprächspartner werden die Pause meist mittragen, statt sie als Schwäche zu lesen.

Vorbereitung in den kommenden Wochen

Sammeln Sie vor einem wichtigen Termin die fünf Fragen, die Ihnen am unangenehmsten wären, und formulieren Sie für jede eine knappe Antwort. Sprechen Sie diese Antworten laut aus, nicht nur im Kopf, denn beim Sprechen zeigt sich, welche Sätze tragen und welche zu lang geraten. Bitten Sie eine Kollegin oder einen Freund, die Fragen zu stellen, möglichst in unvorhersehbarer Reihenfolge.

Planen Sie außerdem den Ablauf des Tages. Wer abgehetzt ankommt, startet mit erhöhtem Puls. Zehn Minuten Puffer vor dem Termin, ein Glas Wasser, ein kurzer Gang an der frischen Luft, das alles hilft mehr, als man denkt. Gerade an kühlen, hektischen Herbsttagen lohnt es sich, diese Minuten fest einzuplanen.

Schließlich: Gehen Sie freundlich mit sich um. Nicht jedes Gespräch gelingt gleich gut, und das ist normal. Notieren Sie danach in zwei Sätzen, was gut lief und was Sie beim nächsten Mal anders machen würden. So wächst Sicherheit über Wochen, ohne dass Sie sich unter Druck setzen.

  • Fünf unangenehme Fragen sammeln und laut beantworten
  • Zehn Minuten Puffer vor dem Termin einplanen
  • Nach dem Gespräch zwei Sätze Rückblick notieren

Was Sie im Kurs dazu üben

Im Modul Fragen und Nervosität meistern üben wir genau diese Situationen in der Gruppe. Sie beantworten Rückfragen, die Ihnen die anderen Teilnehmenden stellen, erhalten danach persönliches Feedback und probieren dieselbe Situation ein zweites Mal aus. Dieser Wechsel aus Versuch, Rückmeldung und Wiederholung ist der Kern der Arbeit.

Dabei geht es nicht darum, Nervosität zu beseitigen. Ziel ist, dass sie Sie nicht mehr aus dem Konzept bringt. Manche Teilnehmende berichten nach einigen Sitzungen, dass sie die Anspannung noch spüren, aber gelassener mit ihr umgehen. Ein realistisches Ziel, das sich ohne Versprechen von Wunderwirkungen erreichen lässt.

Voraussetzungen brauchen Sie keine, außer der Bereitschaft, sich vor anderen auszuprobieren. Alles geschieht in einer respektvollen Atmosphäre, in der Fehler zum Lernen gehören und niemand vorgeführt wird.

Fragen und Nervosität lassen sich nicht aus dem Berufsleben streichen, aber Sie können ihnen mit Ruhe begegnen. Ordnen Sie Ihr Lampenfieber ein, hören Sie Fragen zu Ende, halten Sie Pausen aus und bereiten Sie sich auf die unbequemen Punkte vor. Das genügt für einen deutlich souveräneren Herbst. Im zweiten Teil dieses Themas vertiefen wir weitere Wege, mit Anspannung im Gespräch umzugehen.

Geschrieben von

Markus Eichholz

Dozent für Auftreten und Etikette

Begleitet seit vielen Jahren Fach- und Führungskräfte bei Vorstellungsgesprächen und Präsentationen.

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